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Enterobakterien
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Die Enterobakterien bzw. die Vertreter der 2016 etablierten Ordnung Enterobacterales sind eine groĂe Gruppe gramnegativer Bakterien. Nach dem phylogenetischen System gehĂśren sie zur Klasse der Gammaproteobacteria in der Abteilung (Divisio, bei den Prokaryoten auch als Phylum bezeichnet) Pseudomonadota Garrity et al. 2021 (ehemals Proteobacteria) und bilden dort eine eigene Ordnung.
Vor 2016 wurde fĂźr diese Bakteriengruppe der Name âEnterobacterialesâ verwendet, der jedoch nach den Regeln des Bakteriologischen Codes ICNB (die vor 2019 gĂźltige Version des International Code of Nomenclature of Prokaryotes, ICNP) nicht gĂźltig war. Weiterhin gab es nur eine Familie â die Enterobacteriaceae â innerhalb der Ordnung. Mit der Etablierung der Ordnung Enterobacterales verbunden ist eine Aufteilung der bisher bekannten Taxa auf mehrere neue Familien.cite-ref-adeolu-1-0[1] Die neue Systematik fĂźhrt beispielsweise dazu, dass die Gattungen Escherichia, Morganella und Yersinia drei unterschiedlichen Familien angehĂśren (vgl. Abschnitt Systematik).
Der Name Enterobakterien leitet sich von enteron (gr. áźÎ˝ĎÎľĎον âDarmâ) ab, weil viele von ihnen typische Darmbewohner sind. Aber auch viele freilebende und ubiquitär vorkommende, nicht darmbewohnende Bakterienarten gehĂśren in diese Ordnung. Unter den Enterobacterales finden sich bedeutende Krankheitserreger, ebenso gibt es zahlreiche Vertreter, die als nicht pathogen angesehen werden. Sie kĂśnnen mit oder ohne Sauerstoff wachsen, ihr Stoffwechsel ist fakultativ anaerob.
Contents
⢠Merkmale
⢠Erscheinungsbild
⢠Chemotaxonomie
⢠Pathogenität
⢠Genetik
⢠Vorkommen
⢠Meldepflicht
⢠Quellen
⢠Literatur
⢠Einzelnachweise
⢠Weblinks
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Merkmale
Erscheinungsbild
Die Zellen sind stäbchenfĂśrmig und gewĂśhnlich 1 bis 5 Âľm (Mikrometer) lang und besitzen einen Durchmesser von etwa 0,5â1,0 Âľm. Es werden keine Endosporen gebildet. Die meisten kĂśnnen sich mit Flagellen aktiv bewegen, sie sind motil, es kommen jedoch auch Gattungen vor, die sich nicht aktiv bewegen kĂśnnen. Da die Bakterienzellwand aus wenigen Mureinschichten und einer zweiten, äuĂeren Membran besteht, sind die Enterobakterien gramnegativ, werden also in der Gram-Färbung durch die verwendeten Farbstoffe rosa bis rot angefärbt. Bei manchen Arten, z. B. aus der Gattung Klebsiella ist die Zellwand von einer Kapsel umgeben, die aus Polysacchariden besteht. Sie verleihen den auf einem Nährboden gewachsenen Bakterienkolonien ein schleimiges Aussehen.
Wachstum und Stoffwechsel
Ihr Stoffwechsel ist fakultativ anaerob, daher kĂśnnen sie sowohl Ăźber Oxidation unter Anwesenheit von Sauerstoff Stoffe abbauen, als auch unter anaeroben Bedingungen (kein Sauerstoff) Gärung betreiben. Als Kohlenstoff- und Energiequellen verwerten sie D-Glucose und weitere Kohlenhydrate. Zwei wichtige anaerobe Stoffwechselwege, die zur Unterscheidung der einzelnen Gattungen genutzt werden, sind die 2,3-Butandiol-Gärung und die gemischte Säuregärung (mixed acid fermentation). Bei der gemischten Säuregärung treten als End- und Nebenprodukte vorwiegend organische Säuren, wie Essigsäure, Milchsäure und Bernsteinsäure (Succinat), aber kein Butandiol auf. Bei der 2,3-Butandiol-Gärung entstehen aus der Gärung von Glucose als End- und Nebenprodukte geringere Mengen von Säuren, aber vor allem in groĂen Mengen der Alkohol 2,3-Butandiol. Ein weiteres Merkmal der 2,3-Butandiol-Gärung ist das Zwischenprodukt Acetoin und die wesentlich hĂśhere Gasproduktion (CO2). Man findet Butandiolgärung z. B. bei Enterobacter, Klebsiella, Erwinia und Serratia. Gemischte Säuregärung nutzen u. a. Gattungen wie Escherichia, Salmonella und Proteus. Weiterhin reduzieren die Enterobakterien Nitrat zu Nitrit. Der Oxidase-Test verläuft bei ihnen negativ, der Katalase-Test bei vielen, aber nicht allen Arten positiv.
Zur Bestimmung der einzelnen Gattungen wird eine Vielzahl von Diagnosetests genutzt. Zum Beispiel wird mit Hilfe des Voges-Proskauer-Tests das Zwischenprodukt Acetoin der 2,3-Butandiol-Gärung nachgewiesen. Auch der Nachweis des Enzyms β-Galactosidase wird häufig zur Unterscheidung verwendet. Bakterien, die Ăźber dieses Enzym verfĂźgen, kĂśnnen das Disaccharid Lactose (Milchzucker) hydrolytisch in die Monosaccharide Glucose und Galactose spalten, um sie im Stoffwechsel zu nutzen. Sie werden als lactosepositiv charakterisiert und auch als Coliforme bezeichnet. Bei Selektivmedien erfolgt der Nachweis des Lactoseabbaus häufig Ăźber die Säurebildung beim fermentativen Abbau des Kohlenhydrats, durch die Säurebildung verändert der im Nährmedium enthaltene pH-Indikator seine Farbe. Bei manchen Arten ergibt sich in Bezug auf die Lactoseverwertung kein einheitliches Bild, da zu wenig Säure produziert wird, wobei dann die Angabe âvariabelâ verwendet wird, hier ist es empfehlenswert, den ONPG-Test zu nutzen. Einen Ăberblick Ăźber biochemische Nachweise oder weitere Methoden zur Identifizierung findet sich in den jeweiligen Gattungs- oder Spezies-Artikeln.
Die meisten Enterobakterien sind in Bezug auf die benĂśtigten Nährstoffe nicht anspruchsvoll und wachsen auf Ăźblichen Nährmedien, die Pepton oder Fleischextrakt enthalten, als nicht-selektives Nährmedium kann auch Blutagar genutzt werden. Sie tolerieren einen Massenanteil von 0â6 % an Natriumchlorid (NaCl) im Nährmedium, ein NaCl-Zusatz im Nährmedium ist aber nicht notwendig. Wenn sie auf MacConkey-Agar kultiviert werden, lassen sich bereits lactosepositive und lactosenegative Vertreter unterscheiden, auch Eosin-Methylen-Blau-Agar wird dafĂźr eingesetzt. Sie wachsen auf oder in Nährmedien, die Gallensalze enthalten, dies kann zur Isolierung genutzt werden. Auf festen Nährmedien wachsen die Kolonien mit einem Durchmesser von 2â3 mm. Auffällig ist hier die Gattung Proteus, insbesondere P. vulgaris und P. mirabilis, bei denen man das sogenannte âSchwärm-Phänomenâ beobachtet. Wenn sich wachsende Kolonien dieser Bakterien auf einer Agar-Platte ausbreiten, sieht man einen Bakterienrasen mit konzentrischen Ringen.cite-ref-med-mb-7-2-0[2]
Die meisten Vertreter der Enterobacterales sind mesophil, d. h. sie bevorzugen mittlere Temperaturen, medizinisch bedeutsamen Arten wachsen meist gut bei 35 â 37 °C. Das bakterielle Wachstum findet allerdings in einem weiten Bereich von ungefähr 4 â 45 °C statt, je nachdem, welche Art kultiviert wird. Einige Vertreter zeigen bei niedrigeren Temperaturen (25 â 30 °C im Vergleich zu 37 °C) eine hĂśhere Stoffwechselaktivität, was in den oben genannten biochemischen Tests dann beispielsweise zu einem positiven Ergebnis fĂźhrt, während der Test bei einer Inkubation bei 37 °C negativ oder nicht eindeutig ausfällt. Viele Yersinia-Arten sind bei niedrigeren Temperaturen motil, aber nicht bei 37 °C. Ăhnliche Ergebnisse findet man bei Arten aus den Gattungen Enterobacter, Hafnia und Tatumella.cite-ref-med-mb-7-2-1[2]
Chemotaxonomie
Wie fĂźr gramnegative Bakterien typisch, besitzen die Enterobakterien eine äuĂere Membran, bei ihr sind die Phospholipide Ăźberwiegend durch Polysaccharide ersetzt, die mit Lipiden komplexe Lipopolysaccharide (LPS) bilden. Diese Lipopolysaccharide wirken als Antigene, Pyrogene und Endotoxine. Die Enterobacterales besitzen ein gemeinsames Antigen, das ECA (enterobacterial common antigen), welches chemisch gesehen ein Polymer aus Aminozuckern ist, die teilweise mit Fettsäuren verestert sind. Das ECA liegt normalerweise als freies Glykolipid in der äuĂeren Membran vor, bei einigen Bakterienstämmen hingegen ist es mit den LPS verbunden.cite-ref-med-mb-7-2-2[2]
Folgende Bestandteile der Bakterienzelle wirken ebenfalls als Antigene: Es kommen einmal die sogenannten somatischen O-Antigene vor, sie beruhen auf den nach auĂen ragenden Oligosacchariden der Lipopolysaccharide in der äuĂeren Membran der Zellen, sie werden auch O-spezifische Oligosaccharide oder O-spezifische Kette genannt. Die H-Antigene sind durch die Flagellen begrĂźndet, die F-Antigene durch die Fimbrien und die K-Antigene durch eine Kapsel. Die O- und H-Antigene wurden ursprĂźnglich bei Untersuchungen von Proteus-Stämmen beschrieben, sehr motile Stämme Ăźberziehen beim Wachstum das Nährmedium wie mit einem Film, ohne sichtbare Bildung von Kolonien, dies wurde als âHauchâ bezeichnet, darauf basiert der verwendete Buchstabe âHâ. Stämme, die nicht motil sind, wachsen âohne Hauchâ (âOâ).cite-ref-med-mb-1-3-0[3] Die Bezeichnung und die zelluläre Zuordnung der Antigene ist bei dem fĂźr Salmonellen angewendeten Kauffmann-White-Schema beschrieben, es erlaubt die serologische Einordnung von Serovaren (Serotypen) zur Identifizierung.
Bei pathogenen Stämmen von Enterobakterien spielt das O-Antigen eine Rolle, bestimmte O-Antigene verursachen eine hÜhere Virulenz, ein Beispiel ist das Serovar E. coli O157:H7, ein Vertreter der Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC).cite-ref-med-mb-1-3-1[3] Das glatte (smooth) Aussehen der Kolonien wird mit den O-spezifischen Oligosacchariden in Verbindung gebracht, die ein Teil der LPS sind. Manche Mutanten oder bestimmte Stämme wachsen als raue (rough) Kolonien, bei ihnen sind die LPS zwar ebenfalls vorhanden, aber bei den enthaltenen Polysaccharidketten liegt nur der Kernteil (core) vor, die variable O-spezifische Kette fehlt.cite-ref-med-mb-7-2-3[2] Die Antigene sind auch die Grundlage fßr serologische Untersuchungen von Patientenseren, beispielsweise bei der Bestimmung des AntikÜrpertiters, dies wird jedoch nur selten durchgefßhrt.cite-ref-med-mb-1-3-2[3]
Pathogenität
Angesichts der vielen Arten, die zur Ordnung der Enterobacterales gehĂśren, sind keine allgemeinen Aussagen mĂśglich. Zur Ordnung gehĂśren drei bedeutsame Krankheitserreger: Yersinia pestis, der Erreger der Lungen- und Beulenpest, Salmonella enterica subsp. enterica Serovar Typhi (kurz: Salmonella Typhi) als Typhus-Erreger und Shigella dysenteriae Serovar 1, verantwortlich fĂźr die Bakterienruhr. Sie werden durch die Biostoffverordnung in Verbindung mit der TRBA (Technische Regeln fĂźr Biologische Arbeitsstoffe) 466 der Risikogruppe 3 zugeordnet, der hĂśchsten fĂźr Bakterien vergebenen Risikogruppe.cite-ref-trba-466-4-0[4] Auch die weiteren Shigella- und Salmonella-Arten oder -Serovare verursachen beim Menschen Diarrhoe (Durchfall) und intestinale Infektionen, also Infektionen im Darm (âEnteritisâ), sie werden der Risikogruppe 2 zugeordnet.cite-ref-trba-466-4-1[4]
Ebenfalls sind einige, aber nicht alle Arten der Gattungen Escherichia und Yersinia typische Darm-Pathogene. Eine Auswahl weiterer pathogener Enterobakterien ist im Abschnitt Medizinische Bedeutung genannt. Weitere Vertreter kÜnnen bei gesundheitlich geschwächten Personen krankheitserregend wirken, sie sind also fakultativ pathogene (opportunistische) Krankheitserreger. Sie kommen auch bei Gesunden häufig im Darm vor und lÜsen nicht notwendigerweise Krankheiten aus. Daneben gibt es zahlreiche Vertreter der Ordnung, die nicht pathogen fßr den Menschen sind und der Risikogruppe 1 zugeordnet werden. Manche Arten sind jedoch pathogen fßr Pflanzen, beispielsweise Erwinia und Pectobacterium oder fßr Tiere, beispielsweise Arsenophonus nasoniae fßr die Erzwespe Nasonia vitripennis.cite-ref-med-mb-7-2-4[2]
Die Lipopolysaccharide der äuĂeren Membran, genauer gesagt die darin enthaltene Komponente Lipid A wirkt als Endotoxin, das erst beim Zerfall der Bakterien, also nach ihrem Tod, freigesetzt wird. Wenn es in den Blutkreislauf gelangt, kann es einen Zytokinsturm auslĂśsen und dadurch u. a. Fieber verursachen, die Wirkung ist also auch pyrogen. Einige wenige Spezies oder auch nur Serovare einzelner Arten bilden Enterotoxine, diese werden so genannt, da sie den Darm (griechisch: enteron) angreifen. Dazu gehĂśrt das von Shigella dysenteriae produzierte Shiga-Toxin und das von den Enterohämorrhagischen E. coli (EHEC) produzierte Vero-Toxin, beides sind Proteine. Die Vero-Toxine 1 und 2 werden aufgrund ihrer Ăhnlichkeit zu denen von Shigella auch Shiga-like-toxin I/II (SLT I/II) genannt. Enterotoxische E. coli (ETEC) produzieren zwei verschiedene hitzelabile Enterotoxine (LT I und II) und ein hitzestabiles Enterotoxin (ST).cite-ref-med-mb-1-3-3[3]
Genetik
Die Desoxyribonukleinsäure (DNA) liegt in den Zellen als ein ringfĂśrmiges Bakterienchromosom vor. Das Genom von zwei Stämmen von Escherichia coli wurde im Jahr 2001 vollständig sequenziert. Die Ergebnisse der Sequenzierungen bei verschiedenen Enterobakterien zeigen einen GC-Gehalt (den Anteil der Nukleinbasen Guanin und Cytosin) in der Bakterien-DNA im Bereich von 39â59 Mol-Prozent, bei den meisten Gattungen liegt er im Bereich von 49â59 Mol-Prozent. Die DNA von Stämmen der gleichen Art kann deutlich variieren, was evolutionär begrĂźndet ist. Darauf basieren die in Laboratorien angewendeten molekularbiologischen Methoden zur Unterscheidung bzw. Identifizierung.cite-ref-med-mb-7-2-5[2]
Viele Stämme der Enterobacterales enthalten zusätzliches genetisches Material in Form von Plasmiden oder Bakteriophagen. Deren Gene codieren wichtige Proteine, wie verschiedene Toxine und Kolonisationsfaktoren, die von Bedeutung fßr die Pathogenität und Virulenz sind. Die Plasmide enthalten weiterhin Gene, die fßr Enzyme codieren, die im Stoffwechsel der Kohlenhydrate oder bei der Synthese der Zellwand beteiligt sind und Gene fßr die Antibiotikaresistenz. Sie kÜnnen durch horizontalen Gentransfer zwischen den verschiedenen Enterobakterien ausgetauscht bzw. weitergegeben werden.cite-ref-med-mb-7-2-6[2]
Durch Verwendung phylogenetischer Methoden kann die Stammesgeschichte und die verwandtschaftlichen Beziehungen der Bakterien untereinander geklärt werden. In der 2016 verĂśffentlichten Beschreibung der Ordnung Enterobacterales werden fĂźnf âkonservierte charakteristische Indelsâ (engl. conserved signature inserts and deletions, CSI; Näheres dazu im Abschnitt Systematik und Taxonomie) festgelegt, die typisch fĂźr die Vertreter der Ordnung sind, aber nicht bei anderen Bakterien vorkommen. Die fĂźnf CSI kommen in den Gensequenzen vor, die fĂźr die Proteine L-Arabinose-Isomerase, Elongationsfaktor-P ähnliches Protein YeiP, Peptid-ABC-Transporter Permease, Pyrophosphatase und ein hypothetisches Protein codieren.cite-ref-adeolu-1-1[1]
Vorkommen
Der wahrscheinlich bekannteste Vertreter der Enterobakterien ist Escherichia coli, einer der wichtigsten Modellorganismen der Genetik, Biochemie sowie der Mikrobiologie und verbunden mit der Entdeckung der Bakteriophagen, die auf ihn spezialisiert sind. Das Bakterium gehĂśrt zur normalen menschlichen Darmflora und wird daher als Indikatororganismus fĂźr fäkale Verunreinigungen z. B. in Gewässern oder Lebensmitteln verwendet. Viele Enterobakterien sind Teil der gesunden Darmflora von Menschen und Tieren. Sie sind jedoch ubiquitär verbreitet und kommen nahezu Ăźberall in der Umwelt vor, beispielsweise im Boden, im Wasser, bei Pflanzen einschlieĂlich deren FrĂźchte (Obst, GemĂźse, KĂśrner) und anderen Lebensmittel. Manche Arten sind pathogen fĂźr Pflanzen, vergleiche Abschnitt Pathogenität. Einige Spezies besetzen spezielle Ăśkologische Nischen, so wurde Photorhabdus luminescens aus Nematoden isoliert, mit denen das Bakterium eine Symbiose bildet.cite-ref-med-mb-7-2-7[2] Serratia-Arten sind häufig bei verschiedenen Insekten zu finden. Weitere tierische Habitate sind Schnecken, Reptilien und VĂśgel, beispielsweise HĂźhnervĂśgel.cite-ref-med-mb-1-3-4[3]
Systematik und Taxonomie
Verwendete Methoden der phylogenetische Systematik
Bei den Vertretern der âEnterobacterialesâ fĂźhrten die Ergebnisse phylogenetischer Methoden der letzten Jahre, die insbesondere auf Untersuchung der 16S rRNA beruhten, ein fĂźr Prokaryoten typischer Vertreter der ribosomalen RNA, zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Daher war es das Ziel mehrerer Wissenschaftler (Adeolu et al.) der McMaster University in Ontario, Kanada eine phylogenetische Systematik zu erstellen, die auf Vergleich von genetischen Merkmalen mĂśglichst vieler Vertreter der Gruppe basiert. Zum Zeitpunkt der Untersuchung (2016) waren bereits 14.000 Genome von 54 den Enterobakterien zugehĂśrigen Gattungen in der Genomdatenbank des Nationalen Zentrums fĂźr Biotechnologieinformation (NCBI) verfĂźgbar. FĂźr die Analyse wurden 179 repräsentative Genomsequenzen herangezogen und verschiedene molekularer Marker ausgesucht und verglichen, um jeweils einen phylogenetischen Baum zu erstellen, der die evolutionären Beziehungen zwischen den Vertretern der Enterobakterien darstellt.cite-ref-adeolu-1-2[1]
Zum einen wurden dafßr 1548 Hauptproteine herangezogen, die typisch fßr die Gruppe sind und DNA-Sequenzen verglichen, die fßr die Proteine codieren. Analog dazu wurden 53 ribosomale Proteine (rProteine) verwendet und weiterhin wurde die DNA-Sequenzanalyse von mehreren Loci (MLSA), die fßr vier Proteine codieren, durchgefßhrt. Bei den Proteinen handelt es sich um GyrB (Gyrase B), RpoB, AtpD and InfB. Die so konstruierten drei phylogenetischen Bäume ergeben ein einheitliches Bild mit jeweils sieben Kladen, die als Enterobacter-Escherichia-Klade, Erwinia-Pantoea-Klade, Pectobacterium-Dickeya-Klade, Yersinia-Serratia-Klade, Hafnia-Edwardsiella-Klade, Proteus-Xenorhabdus-Klade und Budvicia-Klade bezeichnet werden. Darauf basierend wird die Ordnung Enterobacterales mit sieben Familien definiert. Das Ergebnis dieser phylogenetischen Analyse wird durch die Resultate der Analyse der Genomverwandtschaft unterstßtzt. Diese Methode erfolgt ebenfalls in silico (computerbasiert) als Ersatz fßr die DNA-DNA-Hybridisierung und ist hilfreich fßr die Einordnung taxonomisch hÜherer Rangstufen.cite-ref-adeolu-1-3[1]
Die Genomanalyse ermĂśglicht auch das Entdecken bzw. Festlegen von âkonservierten (bewahrten) molekularen Eigenschaftenâ, die sich innerhalb einer Gruppe von nah miteinander verwandten Organismen nicht oder kaum voneinander unterscheiden, während sie sich bei Organismen einer anderen Gruppe durch Evolution deutlich verändert haben. FĂźr die phylogenetische Systematik der Prokaryoten werden dazu âkonservierte charakteristische Indelsâ (engl. conserved signature inserts and deletions, CSI) verwendet. Gruppenspezifische CSI sind charakteristisch fĂźr ein bestimmtes Taxon (beispielsweise eine Ordnung), da sie in allen Vertretern dieser Gruppe und nicht in anderen Gruppen auftreten. Das ursprĂźngliche Indel eines gruppenspezifischen CSI trat vermutlich bereits vor der Aufspaltung im letzten gemeinsamen Vorfahren auf und wurde von den daraus entstandenen Vertretern der Gruppe Ăźbernommen (âvererbtâ).cite-ref-gupta-5-0[5] Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung von Adeolu et al. ist die Entdeckung von 71 CSI, darunter fĂźnf, die einzigartig fĂźr alle Vertreter der Ordnung Enterobacterales sind und daher fĂźr ihre Beschreibung verwendet werden. Die Ăźbrigen 66 CSI sind spezifisch fĂźr die sieben Gruppen und kĂśnnen bei zukĂźnftigen Genomanalysen von neu entdeckten Spezies der Enterobakterien fĂźr deren systematische Klassifikation verwendet werden.cite-ref-adeolu-1-4[1]
Das Ergebnis der umfangreichen genomweiten Analysen aus dem Jahr 2016 ist Grundlage der im Folgenden dargestellte Systematik, die bereits weiter aktualisiert wurde.
Nomenklatur und Taxonomie der Ordnung
Die Gattung Enterobacter ist nicht die Typusgattung der Familie Enterobacteriacea, dies ist die Gattung Escherichia. Damit wird von der festgelegten Nomenklatur gemäà dem Prokaryotischen Code (International Code of Nomenclature of Prokaryotes, ICNP, frĂźher: Bakteriologischer Code) abgewichen, was 1958 durch Festlegung in der Judicial Opinion 15 der Judicial Commission (in etwa ârichterliche oder unparteiische Kommissionâ) der Internationalen Kommission fĂźr die Systematik der Prokaryoten (International Committee on Systematics of Prokaryotes, ICSP) bestätigt wurde.cite-ref-icnp-2022-6-0[6] Nach den Regeln des Prokaryotischen Codes mĂźsste eine Ordnung mit der Typusgattung Escherichia folglich âEscherichialesâ genannt werden, eine Ordnung mit der Typusgattung Enterobacter mĂźsste âEnterobacteralesâ, jedoch nicht âEnterobacterialesâ genannt werden.cite-ref-icnp-2022-6-1[6] Um die Akzeptanz der neuen Systematik sicherzustellen und die mĂśgliche Verwirrung bei Benennung der Ordnung als âEscherichialesâ zu vermeiden, wurde der Name Enterobacterales ord. nov. mit der Typusgattung Enterobacter gewählt.cite-ref-adeolu-1-6[1]
Aktuelle Systematik
Zu der 2016 etablierten Ordnung der Enterobacterales gehĂśren acht Familien (Stand 2024)cite-ref-lpsn1-7-0[7] mit insgesamt etwa 70 Gattungen. Eine weitere Familie, die Thorselliaceae Kämpfer et al. 2015 wurde durch eine andere Gruppe von Wissenschaftlern erstbeschrieben,cite-ref-kaempfer-8-0[8] sie ist jedoch in der List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) nicht in der Ordnung enthalten, sondern mit incertae sedis gekennzeichnet.cite-ref-lpsn2-9-0[9] Im Taxonomy Browser des National Center for Biotechnology Information (NCBI) gehĂśrt sie zu den Enterobacterales.cite-ref-taxo-10-0[10] Die Familie Gallaecimonadaceae âentstammtâ einer Genom-gestĂźtzten Phylogenie der Genome Taxonomy Database (GTDB) und wurde mit Hunderten weiterer Taxa 2023 dem ICNP entsprechend beschriebencite-ref-chuvochina-329-11-0[11] und als Gallaecimonadaceae Chuvochina et al. 2024 in der Validation List no. 215 gĂźltig verĂśffentlichtcite-ref-validation-12-0[12] und den Enterobacterales zugeordnet.cite-ref-lpsn1-7-1[7]
Die neu festgelegte und damit den Regeln des Prokaryotischen Codes (ICNP) entsprechende Typusgattung der Ordnung ist die Gattung Enterobacter. Die Beschreibung der Ordnung Enterobacterales Adeolu et al. 2016 ord. nov. entspricht der Beschreibung der Familie der Enterobacteriaceae im Bergeyâs Manual of Systematic Bacteriology von 2005, mit der Erweiterung, dass die Vertreter der Ordnung von allen anderen Bakterien durch fĂźnf CSI unterschieden werden kĂśnnen.cite-ref-adeolu-1-7[1]
Im Folgenden eine Auflistung der zugehĂśrigen Familien mit Nennung den meisten der dazugehĂśrigen Gattungen (Stand 2024).cite-ref-lpsn1-7-2[7]
⢠Budviciaceae Adeolu et al. 2016 fam. nov.
⢠Budvicia Bouvet et al. 1985 emend. Lang et al. 2013, Typusgattung der Familie
⢠Leminorella Hickman-Brenner et al. 1985
⢠Pragia Aldovå et al. 1988
⢠Enterobacteriaceae Rahn 1937 emend. Adeolu et al. 2016
⢠Buttiauxella Ferragut et al. 1982
⢠Cedecea Grimont et al. 1981
⢠Citrobacter Werkman and Gillen 1932
⢠Cronobacter Iversen et al. 2008
⢠Enterobacter Hormaeche and Edwards 1960 emend. Brady et al. 2013
⢠Escherichia Castellani and Chalmers 1919, Typusgattung der Familie, z. B.: Escherichia coli
⢠Gibbsiella Brady et al. 2011 emend. Kim et al. 2013
⢠Klebsiella Trevisan 1885 (Approved Lists 1980) emend. Drancourt et al. 2001, z. B.: Klebsiella pneumoniae
⢠Kluyvera Farmer et al. 1981
⢠Leclercia Tamura et al. 1987
⢠Mangrovibacter Rameshkumar et al. 2010
⢠Plesiomonas corrig. Habs and Schubert 1962, z. B.: Plesiomonas shigelloides
⢠Pseudescherichia Alnajar and Gupta 2017
⢠Raoultella Drancourt et al. 2001
⢠Saccharobacter Yaping et al. 1990
⢠Salmonella Lignieres 1900
⢠Shigella Castellani and Chalmers 1919
⢠Shimwellia Priest and Barker 2010
⢠Trabulsiella McWhorter et al. 1992
⢠Yokenella Kosako et al. 1985
⢠Erwiniaceae Adeolu et al. 2016 fam. nov.
⢠Buchnera Munson et al. 1991
⢠Erwinia Winslow et al. 1920 (Approved Lists 1980) emend. Hauben et al. 1998, Typusgattung der Familie
⢠Pantoea Gavini et al. 1989 emend. Brady et al. 2010
⢠Phaseolibacter Halpern et al. 2013
⢠Tatumella Hollis et al. 1982 emend. Brady et al. 2010
⢠Wigglesworthia Aksoy 1995
⢠Gallaecimonadaceae Chuvochina et al. 2024 fam. nov.
⢠Gallaecimonas RodrĂguez-Blanco et al. 2010, Typusgattung der Familie
⢠Hafniaceae Adeolu et al. 2016, fam. nov.
⢠Edwardsiella Ewing and McWhorter 1965
⢠Hafnia Møller 1954, Typusgattung der Familie
⢠Obesumbacterium Shimwell 1963
⢠Morganellaceae Adeolu et al. 2016 fam. nov.
⢠Arsenophonus Gherna et al. 1991
⢠Moellerella Hickman-Brenner et al. 1984
⢠Morganella Fulton 1943, Typusgattung der Familie
⢠Photorhabdus Boemare et al. 1993
⢠Providencia Ewing 1962
⢠Xenorhabdus Thomas and Poinar 1979 (Approved Lists 1980) emend. Thomas and Poinar 1983
⢠Pectobacteriaceae Adeolu et al. 2016 fam. nov.
⢠Biostraticola Verbarg et al. 2008
⢠Brenneria Hauben et al. 1999 emend. Brady et al. 2012 emend. Brady et al. 2015
⢠Dickeya Samson et al. 2005
⢠Lonsdalea Brady et al. 2012
⢠Pectobacterium Waldee 1945 (Approved Lists 1980) emend. Hauben et al. 1998, Typusgattung der Familie
⢠Sodalis Dale and Maudlin 1999
⢠Yersiniaceae Adeolu et al. 2016 fam. nov.
⢠Ewingella Grimont et al. 1984
⢠Rahnella Izard et al. 1981 emend. Brady et al. 2017
⢠Samsonia Sutra et al. 2001
⢠Serratia Bizio 1823, z. B.: Serratia marcescens
⢠Yersinia van Loghem 1944, Typusgattung der Familie, z. B.: Yersinia pestis, AuslÜser der Lungen- und Beulenpest
Historische Entwicklung und einige Synonyme
Der Name Enterobacteriaceae fĂźr die Familie, deren Vertreter nun der Ordnung Enterobacterales angehĂśren, wurde 1937 von Rahn vorgeschlagen. Allerdings sind einige Arten innerhalb dieser Gruppe schon davor beschrieben worden, beispielsweise wurde Serratia marcescens 1823 von Bizio so benannt und erstbeschrieben. Andere âalteâ Vertreter sind Yersinia pseudotuberculosis (1883), Salmonella Typhi (1884), Salmonella cholerae-suis, Proteus vulgaris und Proteus mirabilis (alle 1885 erstbeschrieben) sowie Yersinia pestis (1894). Escherichia coli wurde 1885 erstbeschrieben, dabei jedoch von Migula als âBacillus coliâ bezeichnet, dieser Name gilt als Basonym. Diese durch die Regeln des Bakteriologischen Codes (mittlerweile der Prokaryotische Code) notwendigen Ănderungen in der Nomenklatur fĂźhrten zu zahlreichen Synonymen fĂźr Arten oder Gattungen, was Kritiker als âquälenden Prozessâ (torturous process) bezeichnen, was jedoch mit dem erweiterten Wissen Ăźber die Bakterien erklärbar ist.cite-ref-med-mb-7-2-8[2]
Hier einige Beispiele fĂźr Synonyme und Umstellungen (z. B. Combinatio nova): Alle Arten von Levinea Young et al. 1971 wurden zu der Gattung Citrobacter Werkman & Gillen 1932 gestellt. Verschiedene Erwinia-Arten wurden in die Gattungen Pantoea, Enterobacter, Pectobacterium und Brenneria aufgeteilt. Liquidobacterium genauso wie Cosenzaea ist ein Synonym fĂźr Proteus. Die Gattung Calymmatobacterium AragĂŁo & Vianna 1913 ist ein Synonym fĂźr Klebsiella.cite-ref-lpsn1-7-3[7]
Medizinische Bedeutung
In der Ordnung der Enterobacterales finden sich einige bedeutende Krankheitserreger. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2010 machen sie etwa 80 % der klinisch relevanten isolierten gramnegativen Bakterien aus und etwa 50 % insgesamt, bezogen auf alle Bakterien. Enterobakterien findet man bei knapp 50 % der Fälle von Septikämie und bei etwa 70 % der Fälle von Harnwegsinfektionen, vor allem werden intestinale Infektionen (Infektionen des Darms) durch sie verursacht. Zu den weiteren beim Menschen durch Enterobakterien verursachten Krankheiten gehĂśren Diarrhoe (Durchfall), Meningitis, Bakteriämie, Pneumonie (LungenentzĂźndung), Wundinfektionen und Abszesse. Sie kommen vielfach als nosokomiale Erreger vor (âKrankenhauskeimeâ) und befallen Menschen mit schwachem Immunsystem.cite-ref-med-mb-7-2-9[2]
Bedeutsame Infektionskrankheiten, die durch bestimmte Arten der Enterobakterien verursacht werden, sind unter anderem Lungen- und Beulenpest, Typhus und die Bakterienruhr, vergleiche Abschnitt Pathogenität. Durch Infektion mit Enterotoxin-bildenden Stämmen kann vor allem bei Kindern das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ausgelÜst werden.
Einige Enterobakterien verursachen extraintestinale Infektionen, also Infektionen auĂerhalb des Darms. Im Vergleich zur Vielzahl an Spezies in der Ordnung Enterobacterales sind dies nur wenige Arten. Dazu gehĂśren beispielsweise Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Proteus mirabilis, Klebsiella aerogenes (Synonym: Enterobacter aerogenes), Vertreter des Enterobacter cloacae Komplexes und Serratia marcescens.cite-ref-med-mb-7-2-10[2]
Antibiotikaresistenz und nosokomiale Infektionen
Einige Arten der Enterobakterien sind als Erreger von nosokomialen Infektionen von groĂer Bedeutung, sie machen etwa 50 % dieser Infektionen aus (Stand 2005).cite-ref-med-mb-1-3-5[3] In Deutschland gibt es seit 2016 eine Meldepflicht (vergleiche nächster Abschnitt), so dass mittlerweile durch das Robert Koch-Institut Fälle erfasst und Daten im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch verĂśffentlicht werden. In dem Dokument fĂźr 2020 wird auf die Bedeutung der Carbapeneme als sogenannte Reserveantibiotika aufmerksam gemacht. Diese Antibiotika kĂśnnen durch Carbapenemasen (bakterielle Enzyme) gespalten werden, dadurch sind die Bakterien resistent oder zeigen zumindest eine verminderte Empfindlichkeit gegenĂźber den Carbapenemen, was deren therapeutischen Einsatz verhindert. Daher sind Carbapenemase-produzierende Bakterienstämme im Krankenhaus von groĂer Bedeutung. Unter den Enterobakterien sind dies vor allem Stämme von E. coli (65 % produzieren Carbapenemase) und K. pneumoniae (50 %), während dies bei K. aerogenes nur auf 3 % der Stämme zutrifft. Im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch 2020 werden insgesamt 3.590 Fälle von Enterobacterales mit verminderter Carbapenem-Empfindlichkeit aufgefĂźhrt. Zum Vergleich: Bei Acinetobacter-Arten (z. B. Acinetobacter baumannii) wurden 481 Fälle mit verminderter Carbapenem-Empfindlichkeit erfasst.cite-ref-rki-2020-13-0[13] Die Beschränkung der Daten auf Carbapenemase-produzierende Stämme ermĂśglicht keine generalisierte Aussagen zur Relevanz der Enterobakterien fĂźr nosokomiale Infektionen. Bei Daten Ăźber das Vorkommen von MRGN (multiresistente gramnegative Bakterien) ist zu beachten, dass zu dieser Gruppe neben den Enterobakterien auch Pseudomonas-, Acinetobacter- und weitere Arten gehĂśren.
Neben erworbenen Antibiotikaresistenzen kÜnnen Enterobakterien auch ßber eine primäre Resistenz (intrinsische Resistenz) verfßgen, als genetisches Merkmal, das unabhängig vom klinischen Einsatz der Antibiotika ist. So sind beispielsweise mehrere oder sogar alle Arten aus den Gattungen Buttiauxella, Cedecea, Citrobacter, Enterobacter, Ewingella, Hafnia, Morganella, Providencia und Serratia resistent gegen Cefalotin. Weiterhin sind Cedecea-Arten, Citrobacter amalonaticus, Escherichia hermannii, Klebsiella pneumoniae, Kluyvera ascorbata, Kluyvera cryocrescens, Proteus vulgaris, Morganella morganii und Serratia fonticola resistent gegen Ampicillin und Edwardsiella tarda sogar gegen Colistin.cite-ref-med-mb-7-2-11[2]
Meldepflicht
In Deutschland ist der direkte Nachweis von Enterobacterales namentlich meldepflichtig nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG), aber nur bei Nachweis einer Carbapenemase-Determinante oder mit verminderter Empfindlichkeit gegenĂźber Carbapenemen auĂer bei natĂźrlicher Resistenz. Die Meldepflicht besteht nur bei Infektion oder Kolonisation (§ 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 52 b) IfSG). Zudem ist das Auftreten von zwei oder mehr nosokomialen Infektionen nichtnamentlich zu melden, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird (§ 6 Absatz 3 IfSG).
Quellen
Literatur
⢠Volume 6: Proteobacteria: Gamma Subclass. In: Martin Dworkin, Stanley Falkow, Eugene Rosenberg, Karl-Heinz Schleifer, Erko Stackebrandt (Hrsg.): The Prokaryotes. A Handbook on the Biology of Bacteria. 3. Auflage. Springer-Verlag, New York 2006, ISBN 978-0-387-25496-8, doi:10.1007/0-387-30746-X_9.
⢠J. J. Farmer III, M. K. Farmer, Barry Holmes: The Enterobacteriaceae: general characteristics. In: S. Peter Borriello, Patrick R. Murray, Guido Funke (Hrsg.): Topley & Wilson's Microbiology and Microbial Infections - Bacteriology Volume 2. 10. Auflage. John Wiley & Sons, Ltd, Chichester, UK 2010, ISBN 978-0-470-68638-6.
⢠Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock â Mikrobiologie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2001, ISBN 3-8274-0566-1
Einzelnachweise
cite-note-adeolu-11. â M. Adeolu, S. Alnajar, S. Naushad, R. S. Gupta: Genome-based phylogeny and taxonomy of the âEnterobacterialesâ: proposal for Enterobacterales ord. nov. divided into the families Enterobacteriaceae, Erwiniaceae fam. nov., Pectobacteriaceae fam. nov., Yersiniaceae fam. nov., Hafniaceae fam. nov., Morganellaceae fam. nov., and Budviciaceae fam. nov. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 66, Dezember 2016, S. 5575â5599, doi:10.1099/ijsem.0.001485.
cite-note-med-mb-7-22. â J. J. Farmer III, M. K. Farmer, Barry Holmes: The Enterobacteriaceae: general characteristics. In: Topley & Wilson's Microbiology and Microbial Infections - Bacteriology Volume 2. 10. Auflage. John Wiley & Sons, Ltd, Chichester, UK 2010, ISBN 978-0-470-68638-6, S. 1317â1359.
cite-note-med-mb-1-33. â Herbert Hof, RĂźdiger DĂśrries: Enterobacteriaceae. In: Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-13-125313-2, S. 374â400.
cite-note-trba-466-44. â TRBA (Technische Regeln fĂźr Biologische Arbeitsstoffe) 466: Einstufung von Prokaryonten (Bacteria und Archaea) in Risikogruppen. In: Webseite der Bundesanstalt fĂźr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). 25. August 2015, abgerufen am 27. März 2024 (letzte Ănderung vom 20. März 2023).
cite-note-icnp-2022-66. â International Code of Nomenclature of Prokaryotes. Prokaryotic Code (2022 Revision). In: Aharon Oren, David R. Arahal, Markus GĂśker, Edward R. B. Moore, Ramon Rossello-Mora, Iain C. Sutcliffe (Hrsg.): International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 73, 23. Mai 2023, S. 005585, doi:10.1099/ijsem.0.005585.
cite-note-lpsn1-77. â Aidan C. Parte, Joaquim SardĂ Carbasse, Jan P. Meier-Kolthoff, Lorenz C. Reimer, Markus GĂśker: List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) moves to the DSMZ. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 70, Nr. 11, 1. November 2020, S. 5607â5612, doi:10.1099/ijsem.0.004332 (dsmz.de [abgerufen am 4. April 2024]).
cite-note-kaempfer-88. â P. Kämpfer, S. P. Glaeser, L. K. J. Nilsson, T. Eberhard, S. HĂĽkansson, L. Guy, S. Roos, H.-J. Busse, O. Terenius: Proposal of Thorsellia kenyensis sp. nov. and Thorsellia kandunguensis sp. nov., isolated from larvae of Anopheles arabiensis, as members of the family Thorselliaceae fam. nov. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 65, Februar 2015, S. 444â451, doi:10.1099/ijs.0.070292-0.
cite-note-lpsn2-99. â LPSN: Family Thorselliaceae. In: DSMZ. Abgerufen am 4. April 2024.
cite-note-taxo-1010. â Conrad L. Schoch et al.: NCBI Taxonomy: a comprehensive update on curation, resources and tools. In: Database: The Journal of Biological Databases and Curation. Band 2020, 1. Januar 2020, S. baaa062, PMID 32761142 (nih.gov [abgerufen am 4. April 2024]).
cite-note-chuvochina-329-1111. â Maria Chuvochina, Aaron J. Mussig, Pierre-Alain Chaumeil, Adam Skarshewski, Christian Rinke, Donovan H. Parks, Philip Hugenholtz: Proposal of names for 329 higher rank taxa defined in the Genome Taxonomy Database under two prokaryotic codes. In: FEMS Microbiology Letters. Band 370, 17. Januar 2023, S. 1â33, doi:10.1093/femsle/fnad071, PMID 37480240.
cite-note-validation-1212. â Aharon Oren, Markus GĂśker: Validation List no. 215. Valid publication of new names and new combinations effectively published outside the IJSEM. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 74, 1. Februar 2024, S. 006173, doi:10.1099/ijsem.0.006173.
cite-note-rki-2020-1313. â Infektionsepidemiologisches Jahrbuch fĂźr 2020. Robert Koch-Institut, 20. September 2021, abgerufen am 5. April 2024.
Weblinks